Stellungnahme zur beschränkten Verlustverrechnung bei Termingeschäften ab 2021

Stellungnahme zur beschränkten Verlustverrechnung bei Termingeschäften ab 2021

Hintergrund: im Dezember 2019 wurde von dem deutschen Bundestag ein Gesetz beschlossen, dass die Verlustverrechnung bei Termingeschäften ab 2021 auf maximal 10.000 Euro pro Jahr beschränkt. Das hat gravierende Auswirkungen für uns Optionshändler. Hier eine kurze Zusammenfassung der Details:

Für uns Stillhalter bedeutet die Gesetzesänderung, dass wir unser Trading von Optionen in der gewohnten Form nicht weiterführen könnten. Insbesondere Optionsstrategien, bei denen gedeckte Spreads gehandelt werden (z.B. ein Put Credit Spread oder ein Butterfly) könnten dann – auch nicht mehr in kleinem Umfang – gehandelt werden, denn, selbst wenn die Strategie einen Gewinn erwirtschaftet, gibt es immer mindestens ein Leg (in der Regel die long Option), das mit Verlust glattgestellt werden muss und diese Verluste würden die 10.000-Euro-Grenze sehr schnell überschreiten.

Diese Gesetzesänderung kann leicht dazu führen, dass man wegen der fehlenden Möglichkeit, Verluste anzurechnen, absurde Steuersätze von deutlich mehr als 100% zahlen müsste. Würde das Gesetz tatsächlich so in Kraft treten, wären wir gezwungen, unseren bisherigen Handel einzustellen oder zu verlagern. Es wäre z.B. möglich, den Optionshandel zukünftig in einer Kapitalgesellschaft (z.B. GmbH), die extra zu diesem Zweck gegründet werden müsste, vorzunehmen, denn geändert wurde nur das Einkommensteuergesetz, in der die Besteuerung von Privatpersonen geregelt ist. Allerdings ist eine Kapitalgesellschaft sowohl mit einmaligen Gründungskosten als auch laufenden Kosten verbunden und lohnt sich erst ab einem gewissen Kapital. Theoretisch wäre es auch denkbar, seinen Lebensmittelpunkt außerhalb Deutschlands zu verlegen. Allerdings reicht es keinesfalls aus, sich eine Briefkastenadresse außerhalb Deutschlands zuzulegen, man muss tatsächlich die Hälfte des Jahres plus einen Tag auch wirklich im Ausland sein, um dem Zugriff des deutschen Fiskus zu entgehen.

Dennoch raten wir derzeit nicht zu vorschnellen Handlungen. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass das Gesetz so nicht umgesetzt werden wird, also nochmals angepasst werden wird. Nachstehend die wichtigsten Gründe für unsere Einschätzung:

  1. Das Gesetz ist nach Meinung der meisten Juristen ganz klar verfassungswidrig. Die DSW (deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz) hat schon eine Klage angekündigt, sobald der erste Steuerbescheid (früher geht leider nicht) erlassen ist.
  2. Das tatsächlich beschlossene Gesetz weicht von der ersten Beschlussvorlage ab, die ursprünglich bereits im November 2019 zur Abstimmung anstand und dann kurzfristig von der Tagesordnung genommen wurde, weil wohl die CDU noch eine Nachbesserung zugunsten der betroffenen Bürger erreichen wollte. Bei der „Nachbesserung“ wurde leider der Gesetzestext so geändert, dass nunmehr die Verlustverrechnung für alle Verluste und nicht wie ursprünglich angedacht nur für Totalverluste eingeschränkt wurde. Das ist eine massive Verschlechterung und war mit Sicherheit nicht beabsichtigt. Die Hoffnung besteht, dass die handelnden Politiker das einsehen und das Gesetz nochmals geändert wird.
  3. Diese Einschätzung (es sind eigentlich nur Totalverluste gemeint) entspricht laut Auskunft des VTAD im Übrigen auch der Lesart der meisten Experten.
  4. Hinter den Kulissen läuft derzeit eine massive Lobbyarbeit, um den Parteien klar zu machen, was sie tatsächlich beschlossen haben. Aktiv sind neben Brokern und Banken vor allem Verbände wie z.B. die deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), das deutsche Aktieninstitut (DAI) und der deutsche Derivate Verband (DDV). Die FDP hat als erste Partei begriffen, um was es geht und positioniert sich klar gegen dieses (nach ihrer Einschätzung auch verfassungswidrige) Gesetz. Das Thema ist inzwischen auch bei einzelnen CDU-Abgeordneten angekommen. In der Bundestagsdebatte vom 12. Februar haben sowohl Sebastian Brehm (CDU) als auch Dr. Florian Toncar (FDP) das Gesetz angesprochen und kritisiert.

Somit werden wir zunächst unser Trading in gewohnter Form weiterführen und empfehlen das auch unseren Kunden. Als nächstes erwarten wir mit Spannung die offizielle Durchführungsverordnung des BMF (Bundesministerium für Finanzen), quasi die „Arbeitsanweisung“ für die Finanzämter. Mit etwas Glück wird bereits dort definiert, dass nur die Verlustverrechnung von Totalverlusten gemeint ist. Dann könnten wir schon mal aufatmen. Das würde zwar auch bedeuten, dass wir unser Handel anpassen müssten (wir müssten alle Optionen vor Verfall glattstellen und könnte kaum welche mehr wertlos verfallen lassen), aber könnten unseren Optionshandel ansonsten in der gewohnten Form weiterführen. Sollte auch die Durchführungsverordnung von allen Verlusten sprechen, müssten wir hoffen, dass der Gesetzgeber rechtzeitig eine Gesetzesänderung herbeiführt. Die angekündigten Klagen gegen das Gesetz werden aller Voraussicht nach erst in einigen Jahren zu einer Gesetzesänderung führen. Bis dahin müssten wir dann also entweder unseren Optionshandel ruhen lassen oder wie oben beschrieben in eine Kapitalgesellschaft auslagern.

Wir werden unsere Kunden in jedem Fall auf dem Laufenden halten und natürlich auch rechtzeitig vor dem Jahresende konkrete Lösungsvorschläge unterbreiten. Bis dahin machen wir erstmal weiter wie gehabt und empfehlen das auch unseren Kunden. Auch raten wir explizit nicht davon ab, den Optionshandel jetzt neu aufzunehmen bzw. sich das erforderliche Wissen dafür anzueignen. Im schlimmsten Falle müsste man einige Zeit (bis die Verfassungswidrigkeit festgestellt wurde und der Gesetzgeber gezwungen wird, das Gesetz zu ändern) seinen Optionshandel verändern und könnte nach der erfolgten Gesetzesänderung wieder umschwenken auf den gewohnten Handel. Details dazu werden wir natürlich zu gegebener Zeit publizieren.

So viel erstmal an dieser Stelle zu diesem Thema. Sobald es Neuigkeiten gibt, informieren wir darüber.

Ihr Christian Schwarzkopf und Olaf Lieser

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